Homöopathie als Prozess – eine Einladung zum wirklichen Kennenlernen

In meiner homöopathischen Sprechstunde stelle ich andere Fragen als in einer klassischen Gesprächstherapie.
Mich interessiert nicht nur, was jemand hat – sondern wer da vor mir sitzt.
Ich frage dann zum Beispiel nach Vorlieben und Abneigungen.
Nach Momenten tiefen Glücks.
Nach dem, was morgens als Erstes und abends als Letztes gedacht wird.
Nach inneren Stimmen, Anteilen, wiederkehrenden Mustern, fixen Ideen.
Nach Träumen – den nächtlichen wie den unerfüllten.
Nach dem, was jemand zutiefst ablehnt.
Nach dem Punkt im Leben, an dem etwas begonnen hat, ab wann es jemandem schlechter ging.
Und nach der oft verborgenen, positiven Absicht eines Symptoms:
Was will es sagen? Wozu ist es da?
Mein Wunsch ist es, Menschen wirklich kennenzulernen –
in ihren vielen Facetten, Widersprüchen und Teilpersönlichkeiten.
Wie eine innere Tafelrunde, in der jede Stimme gehört werden darf.
Dabei beobachten wir gemeinsam – ohne zu bewerten.
Denn das ganze Leben zählt.

 

Krankheit als Sprache – Heilung als Bewegung

 

Nach Hahnemann (er ist der Begründer der Homöopathie und lebte bereits vor 200 Jahren) ist der Mensch kein Defekt.
Krankheit ist kein Feind, sondern ein gestörter Prozess –
eine Dynamik, eine Fehlregulation der Lebenskraft.
Diese Lebenskraft spricht ständig zu uns:
über Symptome, Empfindungen, Modalitäten
(was macht es besser, was schlechter?),
über Emotionen, Reaktionen und Träume.
Alles ist Sprache.
Meine Aufgabe ist es, diese Sprache zu übersetzen
und das homöopathische Mittel zu finden,
das dem inneren Zustand des Menschen am ähnlichsten ist.
Denn Homöopathie bedeutet nicht:
„ein Mittel gegen Bauchschmerzen“.
Sondern:
Wie werden diese Bauchschmerzen erlebt –
körperlich, seelisch, existenziell?
Nach dem Ähnlichkeitsprinzip
(similia similibus curantur) setzt das passende Mittel einen Impuls,
durch den sich die Lebenskraft wieder ordnen kann
und Symptome überflüssig werden.
Die Heilung verläuft dabei gesetzmäßig.
Ich beobachte diesen Prozess aufmerksam
und begleite ihn mit Erfahrung, Klarheit und Geduld.

 

Prozessorientiert begleiten

 

Entscheidend ist für mich nicht:
Was hat der Mensch?
Sondern:
Wohin bewegt er sich?
Wird er lebendiger?
Eigenständiger?
Wahrhaftiger?
Oder enger, angepasster, tauber?
Auf lange Sicht zählt,
dass Menschen wieder mehr in Kontakt mit sich selbst kommen,
sich selbst und das Leben wieder fühlen,
mehr Verantwortung für sich übernehmen
und an innerer Klarheit gewinnen.
Homöopathie ist dabei Kunst und Handwerk.
In den Folgeterminen höre ich sehr genau hin,
wie Veränderungen wahrgenommen werden –
denn oft zeigt sich der Prozess zwischen den Worten.
Manchmal ist dieser Weg unbequem.
Aber er ist ehrlich.
Und auf lange Sicht oft erstaunlich wirksam.

 

Heilung heißt Erinnerung an Ordnung

 

Heilung ist kein Reparieren.
Sie ist eine Erinnerung an Ordnung.
Meine Aufgabe sehe ich darin,
gut zuzuhören, zu ordnen
und den richtigen Impuls zur richtigen Zeit zu setzen.
Ich habe große Lust am Menschsein
und begleite Menschen durch das Angenehme
wie durch das Unangenehme –
mit dem Blick für das Große und Ganze.
Dieser Prozess ist eine Einladung zur Selbsterkenntnis:
dazu zu werden, wie man gemeint ist –
mehr man selbst, in voller Lebendigkeit.
Die eigene Wahrheit zu finden.
Und zu erwachen.

Wann Homöopathie nicht der richtige Weg ist

 

So kraftvoll diese Art von Unterstützung ist –
sie ist nicht für jede Situation das Richtige.
Homöopathie ist nicht angezeigt bei:

  • terminalen Zuständen mit fortgeschrittener Organzerstörung
  • akuten Notfällen wie schweren Traumata, starken Blutungen,
Herzinfarkt oder akuter Selbstmordgefahr

Hier braucht es andere Formen der Begleitung:
lindernd, stabilisierend, würdevoll, präsent.
Auch ist diese Arbeit nicht geeignet, wenn jemand:

  • nur „repariert“ werden möcht
  • einfach wieder funktionieren will 
  • Verantwortung vollständig abgeben möchte
  • die eigene Wahrnehmung verweigert
  • oder ausschließlich Erwartungen anderer erfüllen will

Ebenso schwierig ist ein homöopathischer Prozess,
wenn dauerhaft starke Medikamente
(z. B. Psychopharmaka, Kortison oder Schmerzmittel)
eingenommen werden und keine Bereitschaft besteht,
diesen Umstand ehrlich anzuschauen.
Bevor wir gemeinsam beginnen, lade ich Sie ein, sich zu fragen:
Möchte ich wirklich hinschauen –
auch in die unbequemen Bereiche?
Oder wünsche ich mir vor allem eine gute Anpassung und Rückkehr zum Alten?
Wenn Letzteres der Fall ist,
ist diese Begleitung möglicherweise nicht die richtige.
Und das ist völlig in Ordnung.
Manchmal braucht es dann etwas anderes:
ein klärendes Gespräch,
Begleitung für Themen wie Abschied oder Versöhnung,
oder einfach Präsenz auf einer anderen Ebene.
Auch das hat seinen Wert.